5. April 2015

Ein (bedeutender) Tag im Leben eines Dackels ODER Wie ich meine ersten grauen Haare bekam

Ivan liegt in seinem Körbchen. Er ist satt. Aber vor allem ist er müde. Während er in einen sanften Schlaf driftet, erinnert er sich an die vergangenen Stunden....


Wir gehen in einem fremden Gebiet spazieren. Ich kenne das schon. Ab und zu fahren wir mit unserem Auto an eine Stelle an der wir andere Kumpels mit ihren Menschen treffen. Ich war anfangs sehr schüchtern, aber ein paar von ihnen kenne ich nun schon und traue mich auch schon sie anzuknurren. Nie knurrt einer zurück. Das finde ich toll und fühle mich dann sehr stark und groß.





Wir sind nun schon eine Stunde gelaufen. Mein eigenes Rudel und ich, wir laufen in eine Hecke, in der es frisch nach Wild duftet. Der Duft wird immer stärker. Ich werde immer aufgeregter. Und da vor uns sind sie. Es müssen... ich renne schon los... mindestens 10 Rehe sein... und die duften... und ich renne so schnell ich kann. Bijou ist ganz vorne, sie ist eben auch viel größer und Gizmo ist direkt hinter mir. Ein freies Feld und so viele Rehe. Das ist so toll. Ich belle vor Aufregung. Ich höre die Pfeife von meiner Chefin, die uns hinter der Hecke und auch die Rehe nicht sehen kann, garnicht. Ich habe einen Tunnelblick, Und in dem sind nur Rehe. Schöne, grazile, gut duftende, schnell rennende Rehe... Oh, sie teilen sich. Egal, ich renne hinter einigen von ihnen her. Ich sehe sie schon kaum noch, aber ich bin dran. Ich erwische sie.... 
Über den Acker, auf die Wiesen, über die Straße, über noch eine Wiese, in den Wald. Super!


Ich bin allein.

Mein Rudel ist nicht mehr bei mir.

Die Rehe sind weg.

Meine Chefin ist weg.

Die fremden Hunde sind weg.

Die Menschen auch.

Wo bin ich?


...



Ich bin in einem Wald. Das ist schlecht, denn durch einen Wald sind wir vorher nicht gelaufen. Wir waren nur auf Wiesen. Ich bin müde. Ich suche eine Wiese.
Ich bin den Rehen so lange nachgelaufen, ich weiß nicht mehr woher ich kam. Aber eine Wiese habe ich gefunden. Ich bin ein guter Dackel. Ich benutze meine Nase und ich finde... Eine Pfütze. Ich habe so einen Durst!
Dann laufe ich weiter. Ein Weg, ein Acker, noch eine Wiese und da! Ich rieche einen bekannten Geruch. Ich rieche mich selbst. Hier war ich heute schonmal.
Und auch wenn ich ein guter Dackel bin, kann ich, wie kein Dackel, nicht riechen in welche Richtung die Spur führt. Aber es ist meine Spur und auch die von meinem Rudel und von meiner Chefin. Die Nase am Boden setze ich die Füße voreinander... Ich bin müde. Ich bin alleine. Ich habe Angst. Ich habe Hunger!

...

Nachdem ich eine ganze Weile (es muss so eine Stunde gewesen sein) der Spur  gefolgt bin, sehe ich diese gehörnten Tiere in deren Scheiße ich mich so gerne wälze, weil die so toll duftet. Nicht so wie Rehe duften, aber auch toll.
Da kommt mir ein Auto entgegen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist. Eine Frau steigt aus. Sie geht auf mich zu. Ich weiß wirklich nicht ob das ein gutes Zeichen ist. Sie geht direkt auf mich zu. Offensichtlich will sie etwas von mir. Sie kennt meinen Namen. Aber ich weiß wirklich nicht... Ich drehe lieber um und laufe weg. Ich bin noch viel zu aufgeregt und sie ist nicht meine Chefin und mein Rudel ist auch nicht da. Wo sind sie bloß!?

Ich laufe weiter, wieder in die Richtung aus der ich kam. Die Frau in dem Auto folgt mir langsam. Was will sie von mir? Mich bestrafen? Mich fangen und dann irgendwohin bringen. Ich bin schon zu oft weggebracht worden. Ich will nicht mehr weg. Aber ich weiß auch nicht wohin ich jetzt soll und ich bin müde und habe Hunger und Sehnsucht nach zu Hause und meinem warmen Körbchen. 
Ich halte an. Sie hält an. Sie steigt aus und ruft mich wieder bei meinem Namen. Und sie hat etwas zu essen in der Hand. Ich kann nicht widerstehen. Und dann hat sie mich am Halsband und nimmt mich mit ins Auto. Da ist einer der Kumpel von vorher, den ich kenne. Der hat hier keine Angst, also wird es nicht so schlimm sein.

Wr sind nicht weit gefahren und schon wieder ausgestiegen. Ich muss an der Leine bleiben. Ich erkenne unser Auto. Aber mein Rudel ist nicht da, und meine Chefin auch nicht. Scheinbar will mich hier aber niemand bestrafen und alle scheinen entspannt zu sein. Da kommt noch ein Auto. Es hält. Es geht aus. Die Tür geht auf und endlich. Ich bin so erleichtert. Ich will loslaufen, aber ich kann nicht. Ich bin immer noch bei der fremden Frau an dieser doofen Leine. Aber ich freue mich so. 
Jetzt endlich, ich bin frei. Ich laufe zu meiner Chefin, die sich auch freut, und springe in ihre Arme. Ich werde geherzt und geknuddelt und bekomme liebe Worte gesagt. Ich werde nicht bestraft. Meine Sorge war ganz umsonst. Ich hätte auch nicht gewusst wofür, denn ich habe ja nur gemacht, was in meiner Natur liegt. Bin gut duftenden Rehen hinterhergerannt. Aber man weiß ja nie, was sich Menschen manchmal denken. Die sind oft ziemlich seltsam und da ist man als Dackel lieber vorsichtig.
Ach, ich freu mich so. Und mein Rudel ist auch da und freut sich auch. Wir sind endlich wieder zusammen und springen in unsere Box im Auto auf die weiche Decke. Unsere Chefin steigt ein, ich fühle mich warm und kuschelig und geborgen und fange schon an von gut duftenden Rehen zu träumen währen das Auto langsam dahinrollt....

Frauchen weiß nun zumindest, woher die ersten grauen Haare kommen.... Danke, Ivan.






















































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