17. Juli 2014

"Deine Bienen sind abgehauen!"

Ein Tag war das gestern!

Ich war nichtsahnend dabei den Keller zu kalken (draußen war's einfach zu warm für andere Tätigkeiten), klingelte mein Nachbar. "Deine Bienen sind abgehauen! Die sind bei mir im Schuppen. Kannst Du mal schaun? Ich bin schon ganz verstochen!"
Mein Herzschlag setzte glaube ich kurzfristig aus, denn ich hatte am Abend zuvor das Schwammtuch mit Ameisensäure zur Varroabehandlung eingelegt. Dabei verändert sich natürlich der Geruch im Bienenstock und es kann passieren das die Bienen daraufhin ausziehen. Aber eigentlich sah alles normal aus als ich zuletzt geschaut hatte?!


Also folgte ich meinem Nachbarn in seinen Schuppen und, nein, das waren nicht meine Bienen, das waren garkeine Bienen. 
Er hatte in seinen Gartenstuhlpolstern und gelagerten Teppichresten ein Wespennest. 
"Hast Du was zum vergasen?", fragt er mich doch allen Ernstes. Habe ihm dann erstmal erklärt, dass alle Wespenarten unter Schutz stehen und da nix vergast wird. "Ja, weiß ich ja, aber ich muss doch wieder in meinen Schuppen." Ok, was tun? *grübel*

Habe mir eine dicke Jeans, Gummistiefel, eine längere Jacke (bei 30°C!), den Bienenhut mit Schleier und zwei paar Handschuhe angezogen und bin wieder rübergegangen. 
Als ich den Teppich vorsichtig auseinanderfaltete fanden die Mädels das garnicht lustig. Solche Aggression bin ich natürlich von meinen Bienen nicht gewohnt. Eine hat es tatsächlich geschafft irgendwo ein Loch zu finden und mich x-mal in den Bauch gestochen bis ich sie erwischen konnte. Biester!
Aber natürlich auch verständlich und mir taten sie eigentlich nur leid.

Also haben ich mir ein großes Stück Mulchtuch und einen riesen Plastiksack geben lassen; den Nachbarn dann nach drinnen geschickt. 
Als die Tierchen sich wieder ein wenig beruhigt hatten schnell das Mulchtuch über den Teppich gelegt und unten unter diesen geklemmt. So konnten zumindest die Wespen aus dem Nest erstmal nicht angreifen.
Dann schnell das Ganze (es war ein großer Teppich) in den Plastiksack, diesen zugezwirbelt und ab ins Auto damit. 
Während der 2 Minuten Fahrtzeit (mit Schleier auf dem Kopf....) habe ich gebetet dass der Sack wirklich dicht ist und sie so schnell kein Loch reinbeißen.

In meinem Waldgrundstück habe ich den Sack dann vorsichtig an eine geeignete Stelle gezogen, dann dgeöffnet und weit genug zurückgeschlagen damit sie wieder Luft bekommen. Und dann bin ich gerannt. 
Zum Glück hatte ich daran gedacht vorher die Fenster im Auto hochzukurbeln. Verfolgungsjagd!

Nunja, durch das Vlies werden sie sich mittlerweile durchgebissen haben und ich hoffe dass das Nest nicht zu sehr beschädigt wurde. Aber immerhin habe ich einen Rettungsversuch unternommen und sie haben nun zumindest noch eine Chance.

Nun weiß ich auch wofür ich einen Imkeranzug und richtige Handschuhe brauche - um Wespen und Hornissen zu retten. Wird bestellt.

Habe auch das zweite Hornissennest endlich entdeckt. Verrate aber niemandem wo's ist denn sonst werden die dort nicht lange wohnen dürfen.

Achja, es gibt einige Webseiten, die Beratung und Infos zu Hornissen und Wespen und deren Handhabung anbieten, sehr lesenwert. Zum Beispiel:

Aktion-Wespenschutz
hymenoptera
hornissenschutz.de  


Varroabehandlung mit Ameisensäure


Riesen Aufregung jedenfalls. 
Achja, meine Bienen waren natürlich noch da und ganz friedlich wie immer. 

Habe heute früh das fast trockene Schwammtuch rausgenommen. Nein, man sollte nicht die Nase darüber halten um zu prüfen ob's alles verdunstet ist. Danach war ich dann wach und bin jetzt irgendwie immer noch high. Frage mich wie die Bienen DAS aushalten.
Es schaut aber gut aus. Etwa 100 Milben sind nun innerhalb von 32 Stunden gefallen. Bienenverluste konnte ich jetzt direkt nicht erkennen.

Grüssle,
KEF

Keine Kommentare:

Kommentar posten