8. Juni 2012

Verputzen - kleines Howto für Ungeübte

Zu allererst nochmal der Hinweis: Ich bin keine Handwerkerin, aber vielleicht verstehen Laien wie ich mich gerade gerade deshalb, WEIL ich selbst die Fachbegriffe nicht kenne und das was ich tue nicht gelernt habe ;)
Und Verputzen gehörte für mich bisher zu den größten Herausforderungen.
Mit einem handelsüblichen Rotband-Putz "von der Stange" mag das ja noch recht einfach erscheinen, aber mit Kalkputz schaut die Sache nochmal ganz anders aus.

Ich habe leider nirgends sinnvolle Anleitungen mit den absoluten Basics gefunden und anfangs sehr viele Fehler gemacht.

Hinweis #2: Die Wände die ich verputze sind nicht zum tapezieren geeignet (dafür sind sie nicht gerade genug und der Putz wäre dafür auch viel zu schade). Ich streiche hinterher mit reiner Kalkfarbe in weiß oder mit natürlichen Pigmenten abgetönt.

Putz anquirlen...

Verputzen - von Kalkputz - was braucht man?

  • Glättscheibe und Kelle, möglichst aus Edelstahl. Hier sollte man vielleicht nicht das Billigste aus dem Baumarkt nehmen, denn man hat das Teil im zweifelsfall ein paar Stunden am Tag in den Händen.
  • Eimer: Nehmt nicht die schwarzen Mörteleimer, sondern Eimer mit einem rechtwinkligem Boden (zB. alte Farbeimer oben links im Bild). Aus den Mörteleimern bekommt man immer den Rest Putz nicht raus, da die Eimerboden-Eimerrand-Ecke keine 90° hat.
  • Einen Drucksprüher: bitte, bitte quält Euch nicht mit einem Blumensprüher, sondern nehmt was Richtiges, mit Tragegurt, Sprüharm und verstellbarer Hohlkegeldüse. Drucksprüher mit 5l sind gut zu handhaben. 
  • Ein weicher Malerpinsel mit langem Stiel zum Glätten/Abpiseln wenn der Putz angezogen hat
  •  Einen >1000W Quirl/Rührgerät, welches auch mal 90l auf 1x schafft
  • min. 3-4 90l Mörtelkübel, rund: Ich gehe so vor immer ein paar 100l auf einmal anzurühren, denn
    • der Kalkputz muss erstmal 24 Stunden ziehen/quellen
    • er läßt sich, wenn er nicht austrocknet oder friert problemlos aufheben
    • man hat immer zu wenig und wer schonmal versucht hat einen schönen Übergang zwischen frischem und angezogenem/trockenem Putz hinzubekommen, weiß wovon ich rede ;-) 
  • evtl. Jutegewebe als Rissbrücke. Wenn man alleine arbeitet und nicht so schnell ist würde ich 60-80cm breite Jute nehmen, sonst schafft man das nicht sie schnell genug einzuarbeiten und ist ständig im Stress
  • min. eine Leiter und ein paar Hocker (zB. vom Sperrmüll) zum abstellen des Putzeimers
  • Abdeckfolie (ich bin eher so der Nichtabdecker/-kleber und putze lieber hinterher)
  • Baustrahler
  • Geduld und Durchhaltevermögen und ein Baustellenradio mit der Lieblingsmusik :-)

Verputzen in Bildern


Die schlimmsten Stellen für mich sind die Ecken, vor allem die Wand-Decke-Ecke.
  • Entweder die kurze Seite der Glättscheibe einen Batzen Putz auftragen und dann zügig (!) in die Ecke auftragen. 4-5 Scheibenlängen nebeneinander, dann von links nach rechts glätten
  • Oder mit der Kelle anwerfen, dann glätten
Putz auf der Scheibe für die linke Wand-Wand Ecke...
  ... für die rechte Wand-Wand-Ecke kommen die beiden Putzbatzen dann auf die rechte Seite der Glättscheibe. In der Ecke ansetzen und an der Ecke entlang nach oben abstreichen.

Der Anfang: Eine linke, obere Ecke...
  ... dann weiterarbeiten nach unten und dann nach rechts (über die Tür)


Ab hier wird weiter rechts oben über der Tür weiterverputzt...

 ... erst die Wand-Decken-Ecke, dann von unten nach oben wie gehabt.

Hier sieht man schön die Putzstriche
 
Erst die Ecke zwischen Wand und Decke...
  ... dann geht es in Halbkreisen weiter. Wenn man hier von unten nach oben streichen würde, müsste man sonst die Glättscheibe von der Wand zurückziehen, was den Putz vom Untergrund löst. Deswegen in waagerecht ansetzen (untere Kante), dann Handgelenk nach rechts-oben drehen.

Die fertige Wand wird noch abgepinselt und geglättet

Wenn der Putz angezogen hat (= relativ hart ist) kann man mit einem weichen Pisel, der immer wieder in Wasser getunkt wird, "abpiseln". d.h. man verwischt die Spuren die man möchte. Danach - so mach ich das - wenn der Putz noch härter ist, glätte ich nochmal in Strichen mit relativ viel Druck gegen die Wand (bei meinen knapp 50kg Körpergewicht ;) nach. Dadurch verdichtet sich der Putz noch weiter. Dabei darf kein Wasser rauskommen, sonst ist er noch zu feucht.
Die Ecken und Kanten sieht man am besten, wenn man einen Baustrahler schräg vor die Wand stellt.

Hier einige Punkte, die mir nicht klar waren, die aber wichtig finde:

Wie kommt der Putz auf die Glättscheibe und wie halte ich das Ding überhaupt?

Garnicht so trivial.
Bei Rechtshändern Kelle links, Glättscheibe rechts. Auf die Wand aufgetragen wird der Putz in der Regel IMMER mit der Glättscheibe, nie mit der Kelle, es sei denn man wirft ihn an, dann hält man die Glättscheibe links als Putz"träger", nimmt sich Batzen für Batzen mit der Kelle dort runter und wirft rechts mit der Kelle an.

So hält man die Glättscheibe richtig
Ein Batzen Putz für das Verputzen der Fläche...
  ... der Batzen Putz wird mit der Kelle im etwa 45° Winkel auf die Glättscheibe aufgestrichen (die Stelle der Glättscheibe, die ihr auf die Wand aufsetzt).


Aufsetzen an die Wand...
 ... und im kleinen Winkel zwischen Glättscheibe und Wand zügig abziehen. Rechts und links sollte nichts rausquellen. Und immer komplett ausstreichen. Niemals die Glättscheibe von der Wand rückwärts abziehen, sonst zieht man den Putz mit runter - ist ja quasi ein Unterdruck zwischen Glättscheibe und Putzbatzen.


Putzkonsistenz

Lieber flüssiger oder fester: Eine Glaubensfrage?!

Naja, wenn man dickere Schichten auftragen muss, dann dicker, so dass der Putz auf der waagerecht gehaltenen Kelle in einem Hügel stehen bleibt.

Für Wandflächen und Jutegewebe, lieber dünner, so dass er eigentlich fast von der Kelle läuft. Das gibt zwar im zweifelsfall mehr Sauerei, lässt sich aber wesentlich schöner verarbeiten und vor allem Glätten - und es geht leichter!! Den runtergefallenen Putz kann man vom Boden - sofern dort kein Dreck, Steinchen etc liegen - wieder in den Eimer zurück befördern und weiterverarbeiten. Ein sauberes Brett an die Boden-Wand-Ecke gelegt hilft beim sauberen Wiederaufnehmen des Putzes.

Wo anfangen an der Wand?

Rechtshänder fangen am besten in der linken oberen (!!!) Ecke an. Und arbeiten sich vorrangig nach rechts und unten.

  1. Die Ecke zwischen Decke und Wand auf 3-4 facher Glättscheibenbreite, 
  2. Die Ecke zwischen Wand und nächster Wand links
  3. Dann die Stellen dazwischen in großen Strichen mit so wenig Kontakt wie möglich, je mehr man auf dem Kalkputz reibt, desto mehr wird das Bindemittel an die Oberfläche gerieben und das soll ja möglichst im Putz bleiben. 
Faustformel beim Auftragen: Erst Material aufbringen in großen Strichen von unten nach oben, dann Fläche (~1qm) glätten von links nach rechts. Es muss nicht komplett eben sein, dafür kommt später das glätten/abpinseln, wenn der Putz angezogen hat.

Vorgehen ohne Jute
  1. Immer gut vornässen, je nach Untergrund mehr oder weniger, so lange bis es fast nicht mehr saugt
  2. Grobe Löcher ausschmieren
  3. 3-4 Tage trocknen lassen, wenn abgebunden, die Sinterhaut abbürsten, nässen
  4. Erste dünne Schicht
  5. wie 3.
  6. Zweite dünne Schicht (das sollte reichen normalerweise)

Vorgehen mit Jute
  1. Immer gut vornässen, je nach Untergrund mehr oder weniger, so lange bis es fast nicht mehr saugt
  2. Grobe Löcher ausschmieren
  3. 3-4 Tage trocknen lassen, wenn abgebunden, die Sinterhaut abbürsten, nässen
  4. Erste dünne Schicht, Jute mit der Glättscheibe von oben nach unten einarbeiten, direkt eine sehr dünne Schicht nachziehen. Stöße der Jute immer 5-10cm überlappen lassen
  5. wie 3.
  6. Dritte dünne Schicht (das sollte reichen normalerweise)
Noch der Hinweis: Jute ist KEIN Putzträger, sondern eine Rissbrücke.

Und NOCH ein Hinweis: Nienienienieniemals (!!!!) großflächig mit Gips über Kalk verputzen! Das ist der kapitalste Fehler den man machen kann. Denn der Gips schließt dicht ab und über die Jahre geht Euch das Bindemittel im Kalkputz kaputt und alles kommt wieder von der Wand/Decke.

Kleine Löcher: ok und Kalk auf Gips geht auch. Also zB Mauerwerk, grobe Löcher mit Gips (Rotband) zuschmieren, dann Kalk drüber.

Gips wird übrigens aus Industrieabgasen hergestellt (angeblich unbelastet). Muss daher jeder selbst wissen, ob er das im Haus haben will. http://de.wikipedia.org/wiki/REA-Gips


In diesem Sinne frohes Verputzen :)
Karl-Erwin's Frau


Kommentare:

  1. Kalkputz? Aber keinen Sumpfkalk, oder? Ich kenne den Unterschied noch immer nicht (beschäftige mich ja auch erst ne Woche damit). Kennst du die Unterschiede?

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  2. Ist so einfach nicht zu erklären, ist eben letztendlich Chemie. Einfach gesagt: Sumpfkalk wird in der Regel zum Streichen genommen, Kalkputz zum Verputzen. Einfach noch ein bisschen mehr lesen, gibt genug Quellen im www

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  3. Sumpfkalk ist Kalkhydrat in Wasser eingesumpft. Der macht sich zum Anmischen von Putz auch sehr schön. Damit kann man den Reifeprozess des Kalkputzes gegenüber pulverförmigem Kalk erheblich abkürzen weil es im Wesentlichen der Kalk ist, der "reift", d.h. seine Struktur verändert, wenn er mit Wasser zusammenkommt. Es gibt auch einige Kieswerke, die erdfeuchten Kalkputz anbieten. Die verwenden auch eingesumpften Kalk. Dadurch, dass der in der Regel bereits etwas länger eingesumpft ist, ergibt das einen sehr schön geschmeidigen Putz, der sich gut verarbeiten lässt.

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  4. Hallo,

    danke für das großartige Howto. Ich verputze gerade meine Gartenhütte und habe schonmal beim Testlauf alles falsch gemacht, was ich so falsch machen konnte... Putz nicht quellen lassen, mit der Kelle aufgetragen, nicht vorgenässt ... wahrscheinlich muss ich alles wieder abklopfen.

    in Renoviereuphorie

    Arne

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  5. Sumpfkalk ist nicht mit Kalkhydrat sondern mit CaO (Kalkoxyd) angesetzt. Bekannt als gebrannter Kalk oder Weißfeinkalk. Beim Einsumpfen entsteht Ca(OH)². Achtung, exotherm! Ein paar Tage ruhen lassen mit Wasserschicht darauf, damit kein CO² drankommt. 1:3 mit Sand mischen, fertig ist der Putz. Faustformel: 10 Kilo Kalk mit 37 Litern Wasser ansetzen. Erst das Wasser!
    Viel Erfolg.
    Matthias

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