19. September 2012

Sanierung Treppe außen - Spaß mit Beton Teil 2

So, weiter geht's: Mein erstes Mal betonieren und ich bin schon ganz aufgeregt :o)

Erstmal einen Schalung bauen, das ist eigentlich finde ich das Komplizierteste. Es muss - je nach Konsistenz des Betons, welche eher fest als flüssig ist und je nach Zuschlag aber nicht 100%ig dicht sein.


 

Kleine Betonkunde

Ich finde ein wenig Baustoffkunde in begrenzten Maße wirklich interessant und ein paar absolute Grundlagen braucht man eben einfach, also....
 
Beton besteht aus einem Bindemittel (Zement), einem Zuschlag (Betonkiessand) und Wasser.
Beton ist also das Endprodukt, ergo kann man natürlich im Baumarkt auch Beton(estrich) in 25 kg Säcken kaufen - weil die da mehr Geld mit machen. Da ist der Zuschlag dann schon drin und man rührt nur mit Wasser an. Das ist aber exorbitant teurer, als sich Zement und Zuschlag einzeln zu besorgen. Und bissl Sand kann man ja eh immer brauchen.

Betonkiessand besteht zu je 1/3 aus Feinsand (<1mm), Grobsand (1-7mm) und Feinkies (7-30mm).

Zement teilt sich auf in CEM II A-S 32,5R und 42,5R (Portlandzement), dabei ist 42,5R für tiefere Temperaturen und kürzere Ausschalzeiten - ich glaub für daheim ist es grad mal egal.

Das Mischverhältnis zwischen Zement und Zuschlag richtet sich nach der Betongüteklasse. Früher gab es die B-Klassen, heute gibt es neuere Klassen (C- etc). Ausreichend für die Heimwerkerin sind die alten Klassen allemal. Nach denen kann man sich so grob richten.



B80 (Mischung 1:9) für Fundamente ohne Bewehrung, die im durchfeuchteten Zustand (zB. Regen) nicht dem Frost ausgesetzt sind.

B120 (Mischung 1:6) für Fundamente und schwach tragende Wände mit einfacher Bewehrung, die im durchfeuchteten Zustand nicht dem Frost ausgesetzt sind.
 
B160 (Mischung 1:5) für Fundamente, Stützmauern und tragende Wände mit Bewehrung, die im durchfeuchteten Zustand dem Frost ausgesetzt sind.

B225 (Mischung 1:4) für Fundamente, Stützmauern und höher beanspruchte Wände mit Bewehrung, die im durchfeuchteten Zustand dem Frost ausgesetzt sind.


Für Klugscheißer: Die Zahl hinter dem B steht für die Würfeldruckfestigkeit nach 28 Tagen, z.B. 160 war 1,6 KN/cm. ;-)


Meine Ausführung

Ich nutze so in etwa B80 (1:4), und habe 3 Teile Sand, 1 Teil Kies und 1 Teil Zement gemischt. Immer eimerweise. 
Die Schalung hab ich in ein paar Minuten aus rumliegenden Brettern zusammengeschraubt und gebetet, dass sie die > 300kg Masse aushält (als ich fertig war).

Vorsichtiger Anfang
Vorsichtshalber, weil ich das mal beobachtet habe, hab ich noch ein bissl Baustahl mit eingearbeitet. Dabei muss man eigentlich irgendwie auf die Biegung und Ausrichtung achten - aber ich will ja kein Hochhaus bauen.... 
Ich habe die bereits vorhandenen Bauteile relativ akribisch mit einer Drahtbürste und dem Staubsauger gesäubert. Dann mit einer Zementschlämme (bissl Zement in Wasser flüssig anrühren) eingepinselt; das soll dafür sorgen, dass sich das Neu- besser mit dem Altmaterial verbindet was wohl eins der wenigen Probleme beim Betonieren ist.



Also, mischen, Beton-Pampe reinwerfen mit der Kelle und dann mit einer Dachlatte einstampfen. Immer ~15 cm hoch, Schicht für Schicht. Zum Schluß (wenn man's nicht verpennt) im fast festen Zustand mit einem Schwammbrett glätten.


Apropos Probleme beim Betonieren. Das Gute ist. Man kann wohl nicht viel falsch machen.
  1. Verbindung Alt-/Neumaterial. Will man zB eine Mauer aufstocken, macht es Sinn, ein paar Löcher zu bohren (da wo man's halt verbinden will), Baustahl einzustecken und dann drüberzubetonieren. Das soll wohl zum verbinden dienen.
  2. Lufteinschlüsse: wenn man nicht richtig einstampft, bzw. aus irgendwelchen Gründen hinterher Lufteinschlüsse hat, dann ist das nicht so gut.
Wenn man also ein Projekt anfängt sollte man es an einem Stück durchziehen. Am besten immer frisch in frisch, also alles auf einmal reinschütten - sagt sogar mein Nachbar :)

Beten, dass die Schalung 24 Std durchhält.
 
Insgesamt denke ich, um mal eine Kleinigkeit zu bauen, Gartentreppe, kleine Mauer, Fundament, Kellerestrich etc. kann nicht viel schief gehen. 

Bei meiner Aktion sehe ich das wie immer ganz pragmatisch: 
  • Entweder es hält, dann ist es super und ich kann betonieren ab sofort in meine Gedanken einschließen wenn ich Überlegungen zu Neubau oder einer Reparatur anstelle, 
  • wenn nicht sind €20,- und 1-2 Tage Arbeit wortwörtlich in den Sand gesetzt. 
Damit kann ich leben und die Erfahrung gemacht zu haben ist es mir in jedem Fall wert :)

Achja, Schalung entfernen kann man wohl nach 24 Stunden. Ausgehärtet ist das Ganze dann eigentlich (wenn man's ganz genau nimmt) nie (oder erst nach 100 Jahren), aber als Norm gilt 28 Tage.

Ich bin jedenfalls gespannt auf das erste Ergebnis.... :-)


Tataaaa.... meine erste Beton-Mauer

Buchempfehlung: "Do it youself" von Roland Gööck. Ich habe die Auflage von 1970 und mir gerade die von 1979 bestellt. Da steht wirklich alles drin mit vielen Zeichnungen. Für ein paar € zB auf amazon, Flohmarkt etc zu haben.

Grüssle,
Karl-Erwins-Betoniererin


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