22. August 2019

Artgerechtes Leben für meine Tochter

Hallo,

ein weiterer Wunsch, den ich in Euren Kommentaren zum Blog lese, ist der nach Eindrücken zum Leben mit meiner Tochter. Wie und warum handle ich den Alltag. Dass bei uns nicht alles "normal" abläuft ist ja klar ;-)

Ich habe in der Überschrift ganz bewusst nicht das Wort KinderERziehung verwendet. Erziehung ist etwas für Bäume. Nicht für Kinder. 





Ich bin alleinerziehend. Ohne Großeltern oder Verwandte, Nachbar, oder Freunde, an die ich das Kind abgeben kann. Oder will. 
Wir waren tatsächlich erst einmal für 1,5 Stunden getrennt, während ich meinen Vortrag gehalten habe. Und auch da hätte sie jederzeit zu mir gekonnt.

Bereits während der Schwangerschaft habe ich viel gelesen. Bücher, Blogs und Foreneinträge. Mich hat das Thema beschäftigt ob denn das, was ich um mich herum im Umgang mit Babies und Kindern sehe, wirklich der einzige Weg ist. Mir kam das alles so falsch vor.

Der "normale" Umgang mit Kindern


Kinder werden angeschrien, beschämt, mit Ironie und Sarkasmus, der für sie noch vollkommen unverständlich ist, bedacht.
Der Umwelt werden chemische Wegwerfwindeln, Feuchttücher und Quetschi-Verpackungen hinterlassen. 
Und es wird alles versucht Kinder so gut es geht zu manipulieren. Mit Bestechungen oder Drohungen. Nur damit das Kind funktioniert. Wenn Schreien nicht mehr hilft, wird gezerrt.

Ich bezweifle nicht, dass alle Eltern ihre Kinder lieben.
Aber ich zweifle daran, dass Kinder die Dinge, die mit ihnen passieren als Liebe empfinden. Wichtig ist in meinen Augen nicht, was ich für mein Kind empfinde, sondern was davon bei meinem Kind ankommt.


Nun, der herkömmliche Umgang war nicht das, was ich für mein Kind oder mich wollte. Das kann doch nicht glücklich machen im Alltag.


Unser Zusammenleben








  1. Stillen nach Bedarf für mindestens 2 Jahre - Muttermilch ist und bleibt das Beste was ich meinem Kind an Nahrung geben kann. Und ich vertraue meinem Kind, dass es selbst weiß wieviel und wann es trinken möchte.
  2. Tragen - Tragetuch und Tuchtragen. Ich habe das erste halbe Jahr 10-12 Stunden am Tag getragen. Wanderungen, Hausarbeit, Gartenarbeit, Baustelle. Alles ging und geht damit. Warm, kuschelig. Soviel körperliche Nähe wie möglich.
  3. Familienbett - Nähe, auch nachts. Bei einem voll gestitten Kind auch das Praktischste. Schlafen: selbstbestimmt. Sie sagt selbst wann sie ins Bett möchte.
  4. Abhalten - heißt, dem Baby die Möglichkeit zu geben, seine Ausscheidungen frei zu verrichten. So oft wie nötig. Was gerade anfangs ziemlich oft ist ;-) Maus war dann mit 12 Monaten nachts trocken. Mit 21 Monaten war das Thema Windeln durch. Ohne "Töpfchentraining".
  5. Stoffwindeln - kein Plastik, keine Chemie an den Popo. Und kein falsches Feedback. Stoffwindeln sind nunmal nass wenn reingepieselt wurde. Das ist die Realität. Und dann wird gewechselt. Ich verarsche doch mein Kind nicht mit Wegwerfwindeln, die sich immer trocken anfühlen. Nein, nein, nein.
  6. Baby Signal: Zeichensprache für die Kleinsten. Wir hatten hier einige einfache Gebärde, die uns die Kommunikation arg erleichtert haben als sie noch nicht sprechen konnte. Hat sich gelohnt.
  7. Familientisch - Selbst den Spaß am Essen lernen. Kein Brei. Kein Flugzeug-Getue. Einfach Essen mit allen Sinnen erfahren. Ja, auch mit den Händen, dem ganzen Gesicht und dem Küchenfußboden (danke an meine lieben Hunde für einen immer sauberen Boden. Ihr seid besser als jeder Staubsaugerroboter!)
  8. Erziehungsfrei: Kinder sind auch Menschen. Und so behandle ich mein Kind. Wie einen normalen Menschen. Möglichst ohne ein Eltern-Kind-Machtgefälle. Ich bin nicht wichtiger als sie, nur weil ich älter und größer bin. Im Gegenteil: ICH habe mich entschieden ein Kind zu haben. SIE durfte nicht mitentscheiden. Aber natürlich gibt es Grenzen. Die kann ich ihr ganz normal mitteilen und das Warum erklären. Die Begründung lautet aber nie "weil man das nicht macht." ;-)
  9. Montessori Umgebung: Dem Kind helfen es selbst zu tun. Ich habe für meine Tochter bereits einiges umgesetzt. Sie hat freien Zugang zu den meißten Dingen. Lernturm (Stehhochstuhl) in der Küche, eigene Waschmöglichkeit, ihre eigenen Küchenutensilien und Geschirr, freier Zugang zu Trinkwasser, Bücherregal, freien Töpfchen/Toilette, Zugang zu ihrer Kleidung, die sie natürlich selbst aussuchen darf. Sie kann sich frei auf dem kompletten Grundstück bewegen. Rein- und rausgehen wie sie möchte. 
  10. Gemeinsam entscheiden: Klar, gibt es fixe Termine, die auch ich einhalten muss. Die kann ich aber zum Glück - schonmal weil sie nicht in den Kindergarten gehen muss - sehr in Grenzen halten. Die meisten Dinge darf sie gleichwertig mitentscheiden. Gehen wir erst mit den Hunden Gassi, oder erst in den Garten? Ein Buch lesen oder gemeinsam etwas an der Nähmaschine nähen? Nudeln oder Risotto? Spielplatz oder Bäcker? Fisch essen gehen oder Eis (Hier gewinnt der Fisch fast immer ;) 
Meine beiden Lieblingsbücher als Einstieg zu den Themen sind Artgerecht von Nicola Schmidt, Liebe und Eigenständigkeit von Alfie Kohn. Jesper Juul mag ich auch noch sehr gerne.

Klingt nach viel Arbeit und vielen Kompromissen? Ja, das ist so. Wie in einer ganz normalen Lebensgemeinschaft in der verschiedene Meinungen, Bedürfnisse und Wünsche aufeinanderprallen.
Bisher - Maus ist nun heute genau 26 Monate alt - klappt es super. 
Sie ist liebevoll, höflich und hilfsbereit. Weil sie genau das von mir vorgelebt bekommt. Und zwar nicht nur im Umgang mit anderen Menschen, sondern im Umgang mit ihr selbst.
Aktuell lernt sie gerade, dass man fremde Menschen um etwas bitten kann. Ohne dass ich ihr dann sage "und wie sagt man da?". 
Wenn sie ein Danke vergisst, dann sage ich das einfach.

"Danke."

Ist so leicht, dass selbst Kinder das können sollen ;-)

Welcher der Punkte interessiert Euch? Wozu wollt ihr mehr wissen?
Schreibt mir gerne einen Kommentar.

Ein gute Zeit,
KEF


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