18. Juli 2012

Brot & Spiele - einfach mal ein paar Gedanken...


 ... denn manchmal frage ich mich, wozu ich den ganzen Quatsch hier eigentlich mache.


Umweltschutz ist zum Volkssport No. 1 avanciert.
Was täten wir denn auch sonst. Das Thema beherrscht die Köpfe und die Medien. Ob Dinge nun in den Medien auftauchen, weil sie die Köpfe beschäftigen, oder umgekehrt sei dahingestellt.
Umweltschutz ist insgesamt eine tolle Sache, die gleich mehrere Vorteile in sich vereint: Statussymbol, Cash-Cow und Ersatzreligion.

Früher wurde man nach der Neuanschaffung eines edlen Schlittens neidisch beäugt. Heute tuscheln die Nachbarn darüber was der wohl verbraucht und wie man den Schaden über Recycling, Bio-Lebensmittel und Energie-Sparlampen wohl wieder reinholen kann.
Bio-Lebensmittel, Bio-Dämmstoff, Bio-Tampons, Öko-Strom...... Es ist wirklich für jeden etwas dabei.

Der Mensch ist endlich vollfreizeitbeschäftigt.
Muss sich entscheiden zwischen Bio-Supermarkt, regionalem-Supermarkt, Bauernladen, Frische-Markt..... Dann wieder nicht nur zwischen Cocktail-, Eier-, Ochsenherz-, Strauch-, Dosen- und Wildtomaten, sondern auch "angebaut in...", Bio, konventionell oder die "im Angebot".
Hatte man schon früh eine Konsumbeschäftigung für Männer gefunden - den Hifi- und Spielekonsole-Markt - hat man hiermit nun endlich auch etwas für die moderne Frau. Obendrein kommt das androgyne Verhalten Allem zugute, denn auch Frauen dürfen mittlerweile Fussball- und Hififans sein und Männer dürfen sich für's Kochen interessieren. Toll!
Und die Kassen klingeln, selbst bei 7%.

Liebe Deinen Nächsten und sei ein Umweltschützer. Denn wenn Du die Umwelt nicht schützt stürben Deine Nachkommen, Du verseuchtest bestenfalls Dich selbst und die Artenvielfalt minimiere sich. Na und?
Vielleicht wäre es am Besten, wir würden Gas geben in Sachen Umweltzerstörung. RETTET DEN PLANETEN, INDEM IHR EUCH SELBST ZERSTÖRT. Die Art Mensch braucht dieser Planet jedenfalls nicht. Selbst eine globale Umweltkatastrophe würde mit Sicherheit noch genügend Leben in Form von Bakterien übrig lassen um den Planeten Erde als "bewohnt" zu definieren. Vielleicht sogar als "intelligent bewohnt", denn wer sagt denn, dass andere Arten nicht auch intelligent und der Mensch sich mit seinem Wertesystem - welches nunmal in der Natur der Sache sehr menschlich ist - einfach zu blöde anstellt um andersartige Intelligenz zu verstehen.

Opfere Dich selbst und Deine Art würde evtl sogar manchen Religionen sehr gut passen. Außerdem macht sich Volunteering und Aufopferung immer gut im Lebenslauf und wer weiß denn schon ob nicht irgendwann doch jemand Spreu von Weizen und Hölle vom ewigen Paradies trennt.

Wenn nun aber jemand uns mit Spielen beschäftigen will, werfen sich mir Fragen auf.
Wer ist Jemand?
Und was passiert, wenn wir anfangen uns mit den wichtigen Dingen zu beschäftigen und die Spiele beiseite lassen?
Ach ja, und was ist eigentlich wichtig?
Ist es wichtig als Mensch glücklich zu sein und sich zu vermehren und sich nebenbei noch mit Umweltschutz zu beschäftigen? - Keine gute Idee aus Sicht des Artenschutzes (anderer Arten als der menschlichen).
Kunst, Kultur? - Auch Spiele.
.....

Einfach nur da sein und sich auf seine tierischen Instinkte verlassen - fressen, schlafen, Spaß haben, Sex? (Also sich doch vermehren?) Erscheint mir fast am Ende doch am sinnvollsten, wo wir aber wieder bei der Bio-Lebensmittel-Frage wären...

Wenn wir schon leben müssen, dann sollten wir vielleicht anfangen zu versuchen möglichst wenig Schaden dabei anzurichten. Wobei Schaden sich wieder aufgliedern würde in direkte - für mich würde ein Huhn im Schlachthaus (bestenfalls) getötet, ausgenommen und verpackt werden damit ich meiner Fleischeslust fröhnen könnte - und indirekte Auswirkungen - ich würde einen Wochenendtrip nach New York machen, um damit langsam meinen und den Lebensraum mancher anderen Arten zu zerstören und tötete damit dann letztendlich doch wieder.

Eine der größten Errungenschaften der Menschheit ist vielleicht nicht unsere "Intelligenz" und unser damit verbundenes Wissen, sondern die Kunst des Verdrängens von Wissen.
Würde man sich mehr bewusst machen, was man unbewusst wissen sollte, aber dennoch erfolgreich ignoriert, würde manches - sofern es einem nicht egal ist - anders laufen.
Und welche andere Art kennt eigentlich den Konjuntiv?

Kommentare:

  1. Oha, jetzt wird´s philosophisch - klasse! Ich habe auch schon oft und vor allem vor unserem Hauskauf darüber nachgedacht, was wirklich zählt und würde gerne meinen Senf zu Deinem Post geben. Kannst es ja gegebenenfalls löschen.

    Ich glaube, dass wir nach Jahrzehnten im Überfluss wirklich eine gesellschaftliche Rückbesinnung erleben. Ein fettes Auto ist reinster Firlefanz - die eigene psychische und physische Gesundheit und eine intakte Umwelt ist wirklich wichtig. Viele Menschen schaffen aber gar nicht den Sprung von der rücksichtslosen Konsumgesellschaft in eine nachhaltige Lebensweise - auch wenn sie es wollten und machen deshalb im Laufe ihres Lebens einiges kaputt.

    Und darum ist das, was Du machst alles andere als "Quatsch"! Du zeigst den Menschen, dass man mit wenig finanziellen Mitteln, dafür aber mit Ehrgeiz, Cleverness und viel Kreativität ganz viel schaffen kann, ohne viel kaputt zu machen. Natürlich hinterlässt auch Du in Deinem Leben spuren, aber würde jeder so leben wie Du es hier beschreibst, dann hätten wir keine nennenswerten Umweltprobleme auf diesem Planeten. Ich bin Dir auf jeden Fall dankbar, dass Du mit Deinem Projekt und Deiner Lebenseinstellung mutig voran gehst und Dich nicht der Bequemlichkeit und Ignoranz hingibst.

    Ich selbst bediene beim Umweltschutz auch gerne alle Klischees. Von der Selbstversorgung aus dem eigenen Garten über die Nutzung von Regenwasser fürs Klo bis zur Verweigerung von Fleisch aus Massentierhaltung und einer Langhaarfrisur. Warum auch nicht? Es geht hier ja nicht darum, einzigartig zu sein und zum Öko-Guru aufzusteigen, sondern etwas Gutes für diese wunderschöne Erde zu tun.

    Leider verstehen nicht alle Menschen, wie wichtig eine nachhaltige Lebensweise ist. (Obwohl Verzicht auf materiellen Luxus gar nichts mit dem Verlust an Lebensqualität zu tun hat.) Und das nicht wegen mangelnder Intelligenz, sondern weil Ihnen das Bewusstsein für die Probleme unserer Zeit fehlt. Es bringt also nix, dauernd den Zeigefinger zu erheben. Nein, man muss die Menschen aufklären! Dafür habe ich z.B. unseren Blog von der ökologischen Haussanierung gemacht und ich habe "Die Öko-Logiker - Verein zur Förderung ökologischen und ethischen Bewusstseins" gegründet. Du bist herzlich eingeladen, Dir unsere Website www.oekozeitalter.de anzuschauen (freuen uns über einen Gästebucheintrag!) und vielleicht sogar mitzumachen?!

    Dass die Menschen sich selbst dezimieren sollten um die Welt zu retten, finde ich übrigens nicht. Alle Kreaturen haben ein Anrecht auf Leben. Allerdings müssen die Menschen sich an Naturgesetze halten. Mir gibt Kants kategorischer Imperativ da Orientierung: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“

    Und was ist nun wirklich wichtig? Die Frage muss sich natürlich jeder zuerst einmal selbst beantworten. Für mich ist es definitiv Liebe. Liebe zwischen Menschen und insgesamt zum Guten und Schönen in dieser Welt. Und wer das Gute und Schöne auf dieser Erde liebt, der schätzt es auch und erhält es für nachfolgende Generationen.

    Aber auch der Humor und Lachen ist wichtig. Denn ein Mensch, der lacht kann nicht traurig sein! Kann außer den Menschen eigentlich noch eine Spezies lachen? Vielleicht ist das sogar das Einzige, was uns wirklich von den Tieren unterscheidet.

    In diesem Sinne: Gemeinsam für eine gute Zukunft!

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  2. Hi, danke für Euren ausführlichen Kommentar.
    "Dem Wahren, Schönen, Guten" also. Hört sich erstmal gut an, nur dass das, was für mich gut und schön ist, für andere genau das Gegenteil sein kann (Stichwort Ausbeutung). Manchmal denke ich, am besten bleibt man daheim und konsumiert garnichts mehr von außerhalb, weil man ja nie weiß wo's herkommt, wie's ehrgestellt wurde, von wem unter welchen Bedingungen etc..... Die Welt ist mir manchmal vielleicht einfach nur zu kompliziert ;)

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